Nachlassarten


Charakteristik

Voraussetzung

Vorteile

Nachteile

Aussergerichtlicher
Nachlassvertrag

Privatrechtlicher Vertrag zwischen dem Schuldner und den Gläubigern über koordinierte oder individuelle Forderungsverzichte; nicht gerichtlich bestätigt; keine Begleitung durch Sachwalter

Vertragsfreiheit, keine Voraus-setzungen an die Form (Schriftlichkeit empfiehlt sich dringend)

(Formell) unkompliziert, keine Publikation

Keine Möglichkeit, auf nicht zustimmungs-willige Gläubiger einzuwirken

Einvernehmliche private
Schuldenbereinigung

Gerichtliche Stundung (von drei Monaten auf sechs verlängerbar) zwecks Erarbeitung eines ausser-gerichtlichen Nach- lassvertrags; Begleitung durch einen Sachwalter

Schuldner darf nicht der Konkursbetreibung unterliegen, Gesuch an den Nachlassrichter (kantonal unterschiedlich hohe Hürden)

Stundung, anschliessend mehr oder weniger freie Vertragsgestaltung

Keine Möglichkeit auf nicht zustimmungswillige Gläubiger einzuwirken

Provisorische Nachlassstundung

Gerichtliche Stundung (zwei Monate) für die Abklärung, ob ein Nachlass erreicht werden kann; Begleitung durch Sachwalter

Stundungsgesuch mit Status, möglichst aktuellen und präzisen Zahlen und dem Entwurf eines Nachlassvertrages, einzureichen beim Nachlassrichter

Gerichtliche Stundung, kann auch von einem Gläubiger erwirkt werden, Weisungsbefugnisse des Sachwalters

Zeitknappheit, keine definitive Abklärung („unfertiges“ Verfahren)

Ordentlicher (gerichtlicher) Nachlass

Stundung mit anschliessendem, gerichtlich bestätigtem Nachlassvertrag, Gleichbehandlung der Gläubiger, Begleitung durch Sachwalter. Über die Zulassung der Forderungen wird auf die Bestätigung hin entschieden. Der Nachlass wird unmittelbar nach der Bestätigung vollzogen (Ratenzahlungen und Nachbesserungen möglich)

Formelles Stundungsgesuch, Nachlass muss vorteilhafter erscheinen als der Konkurs

Verbindlich auch für nicht zustimmungs-willige (und unbekannte) Gläubiger, Fortführung der Gesellschaft im Nachlass möglich, die Weisungsbefugnis des Sachwalters kann massgeschneidert werden.

Relativ aufwändig, Risiken der Finanzierbarkeit (privilegierte Forderungen), Liquiditätsbedarf für den Vollzug des Nachlasses, juristische Risiken (Gläubigerbegünstigung und –benachteiligung)

(gerichtlicher) Nachlass mit Vermögensabtretung

Stundung mit anschliessendem, gerichtlich bestätigtem Nachlassvertrag, Gleichbehandlung der Gläubiger, Begleitung durch Sachwalter. Anschliessend an die Bestätigung werden die Aktiven liquidiert und materiell verbindliches Inventar und der Kollokationsplan erstellt, aufgrund derer die Verteilung erfolgt

Formelles Stundungsgesuch, Nachlass muss als vorteilhafter erscheinen als der Konkurs

Verbindlich auch für nicht zustimmungswillige (und unbekannte) Gläubiger, Fortführung der Gesellschaft im Nachlass möglich, die Weisungsbefugnis des Sachwalters kann massgeschneidert werden

Relativ aufwändig, juristische Risiken (Gläubigerbegünstigung und –benachteiligung)


Konkursaufschub

Stundung zum Zwecke der Sanierung einer eigentlich konkursreifen Unternehmung. Am Ende des Konkursaufschubs steht die Sanierung, ein Nachlass oder der Konkurs

Gesuch beim Konkursrichter; an die Sanierungsfähigkeit werden hohe Ansprüche gestellt

Der Konkursaufschub wird nicht publiziert, die Weisungsbefugnis des Sachwalters kann massgeschneidert werden

Nur für Kapitalgesellschaften, grundsätzlich nur für sanierungsfähige, aber illiquide oder überschuldete Gesellschaften

Nachlass im Konkurs

Eine konkursite Gesellschaft unterbreitet den Gläubigern – während des Konkursverfahrens – einen gerichtlichen Nachlassvertrag

Erarbeitung mit dem Konkursamt, Bestätigung durch Nachlassrichter, Resultat muss besser erscheinen als Durchführung des Konkurses

Nachlass ist oft schneller und einfacher als Konkurs

Sobald der Konkurs einmal eröffnet ist, ist es meist sehr schwer, Gläubiger und Beteiligte für einen Nachlass zu motivieren

Konkurs

Generalexekution über das gesamte Vermögen des Schuldners, durchgeführt vom Konkursamt nach den Regeln des SchKG Ausstellung von Konkursverlustscheinen

Betreibung auf Konkurs (durch Gläubiger), Konkurseröffnung ohne vorherige Betreibung (durch Gläubiger), Deponierung der Bilanz/Insolvenzerklärung (durch Schuldner)

Meistens rasch und unkompliziert (im summarischen Verfahren), es herrscht schnell relativ grosse Rechtssicherheit, für Nachfolgelösungen oft die einzige valable Lösung (OR 333)

Fortführung der Gesellschaft allermeistens nicht möglich, rasche Verwertung ohne

Rücksicht auf Verluste